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Juckreiz – Pruritus: Wenn‘s juckt, ist guter Rat oft teuer

Wenn Tierbesitzer in der Nacht keinen Schlaf mehr finden, weil Mieze oder Wuff sich jede Viertelstunde heftig und lautstark kratzen, dann ist guter und vor allem schneller Rat oft teuer. Die Suche nach der Ursache für solche Kratzattacken, kann schon mal zu einer intensiven Detektivarbeit werden.

Wer den Tierarzt bereits im Vorfeld mit wichtigen Informationen versorgen kann, hat gute Aussicht auf eine schnellere Diagnose, eine schnelle Heilung und kann eher wieder durchschlafen. Denn Juckreiz ist nicht gleich Juckreiz. Genaue Beobachtungen über Ort, Dauer, Intensität, und (jahres-)zeitliches Auftreten sind für den TA wertvolle Hinweise zur Diagnosefindung.

Die Ursachen können sehr vielfältig sein. Neben  Parasiten und Futterunverträglichkeiten, erzeugen auch Hormonstörungen, Bakterien, Viren, Pilze, Medikamente, Tumore, Pflegeprodukte und Haushaltschemikalien unangenehmes bis schmerzhaftes Jucken. Wenn Sie den Tierarzt aufsuchen, wird der folgende Dinge von Ihnen wissen wollen:

  • Wann trat das Problem zum ersten mal auf?
  • Wie hat sich das Problem verändert. Gibt es Zeiten wo es intensiver auftritt oder weniger wird?
  • Tritt es in bestimmten Situationen auf? Z. B. Tierpension, Training, Wald oder Wiese.
  • Waren Sie im Urlaub? War es da weniger auffällig?
  • Waschen Sie das Tier? Wenn ja, womit? Haben Sie neue Präparate verwendet?
  • Gab es Futterumstellungen oder neue Futterzusätze?
  • Hat sich der Haarausfall verstärkt?
  • Gibt es weitere Haustiere im Haushalt?
  • Werden in der Umgebung Chemikalien benutzt? (Kleingarten)

Wichtig ist: Die Tiere vor dem Besuch in der TA-Praxis nicht ‚aufzuhübschen‘ oder mit Salben etc. zu behandeln. Krusten, Schuppen, Eiterblasen und verklebte Haare sind zwar nicht schön, helfen dem TA aber das Ausmaß der Erkrankung richtig einzuschätzen und geben wichtige Hinweise auf die Ursache des Problems. Juckreiz kann entstehen durch: Mangelnde Hygiene [Bewegungseingeschränkte oder übergewichtige Tiere können sich nur ungenügend reinigen], Milben, Läuse, Hot Spots [Haarlose, nässende ,runde Hautareale], Kontaktdermatitis, Flohbissallergie, Staphylokokkenallergie, Futtermittelallergie, Haarbalgentzündungen, Flöhe, Haarlinge, Herbstgrasmilben, Autoimmune Hauterkrankungen, Tumorerkrankungen [Lymphosarkom, Melanom], Nieren–/Lebererkrankungen, Pyodermie [Eitrige Hautentzündung], Hormon– und Stoffwechselstörungen [Hyper-/Hypothyreose, Diabetes, Zyklusstörungen der Hündin]. Zusätzlich zum Juckreiz, haben die Tiere oft Schmerzen z.B. bei Lymphomen oder analen Fisteln. Ein bestehender Juckreiz wird durch Berühren der Haut meist schlimmer. Die Tiere reagieren darauf mit noch mehr Kratzen, Lecken oder Reiben oder auch mit Schmerzzeichen. Kraulen und Streicheln sind also für die Dauer der Erkrankung ‚verboten‘.

Aufschlussreich ist auch, an welchen Körperteilen Pusteln, Quaddeln oder Haarausfall auftreten.
Kopf: Atopische Dermatitis

Ohrmuschel: Läuse, Räude, Malassezia, Haarlinge

Nase: Pyodermie, Lupus, Sonnenbrand

Lippen und Kinn: Akne, Faltendermatitis

Bauchunterseite: Futtermittelallergie

Rücken: Flohallergie-Dermatitis, Hypothyreose

Körperstamm:  Hormonstörungen [Nebenniere, Schilddrüse, Keimdrüsen], Sarkoptes-Milben

Anus: Erkrankung der Analdrüsen, Parasiten des Verdauungstraktes

Pfoten: Malassezia, Kontaktdermatitis, Pododermatitis

Maulhöhle: Lymphom, Thalliumvergiftung

Ganzer Körper / Jede Körperregion: Zinkmangel, kohlenhydratlastige Fehlernährung, Medikamentenunverträglichkeiten, Melanome.

Zur Diagnosestellung gehören das intensive Patientengespräch, eine oder mehrere kleine Haut– und Haarproben, eine Blutprobe für das Labor und eventuell ein Allergietest.  Die Therapie wird meist eingeleitet mit desinfizierenden Waschlotionen, lokalen Medikamenten die direkt auf die Haut aufgetragen werden und Glukokortikoiden gegen die eventuelle Entzündung. Hat diese symptomatische Therapie keine Erfolg, wird der Tierarzt zu weitergehende Maßnahmen raten.Die Behandlung von Hautkrankheiten ist ein langwieriges und lästiges Unterfangen. Meist müssen die Tiere mehrfach am Tag gereinigt und mit Medikamenten versorgt werden, die Liegestellen und Textilien  der Tiere sind ebenfalls mit zu behandeln um eine Reinfektion zu verhindern. In 90% der Fälle hängt der Behandlungserfolg darum an den Tierhaltern selber. Je genauer sie die Anweisungen des Tierarztes befolgen, umso wahrscheinlicher ist der Heilungserfolg. Wer nachlässig ist, muss oft bald wieder von vorne beginnen oder die Behandlung zieht sich über viele Wochen hin und wird unnötig teuer.

Aber dann, können alle Beteiligten Vier– und Zweibeiner bald wieder ihre wohlverdiente Nachtruhe genießen – Ohne Jucken.

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